Pegi Myshqeri
Manager, Liquidity & Digital Investment Solutions, CEE
Die Rückkehr der Anlageklasse „Cash“
Seit 2022 hat sich die Landschaft des Liquiditätsmanagements grundlegend gewandelt. Nach einem Jahrzehnt der Negativzinsen markierte die geldpolitische Normalisierung der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Zäsur. Der Zinssatz für die Einlagefazilität stieg von -0,50 % auf in der Spitze 4,00 % und hat sich inzwischen bei rund 2,25 % eingependelt.
Cash wird nicht länger als unproduktive Liquiditätsreserve betrachtet, sondern hat sich wieder als vollwertige Anlageklasse etabliert. Für Corporate Treasurer und institutionelle Portfoliomanager rückt damit eine zentrale Frage in den Fokus: Sollten bei der Liquiditätsallokation Bankeinlagen oder Geldmarktfonds (Money Market Funds, MMFs) bevorzugt werden?
Die Perspektive des Treasurers: Tradition vs. Restriktionen
Historisch betrachtet waren Bankeinlagen (Tages- und Termingelder) die Standardlösung im kurzfristigen Liquiditätsmanagement. Die Argumente dafür sind auf den ersten Blick schlüssig: eine ex ante fixierte Verzinsung, der Verzicht auf eine Mark-to-Market-Bewertung (und somit keine sichtbare Volatilität in der Bilanz) sowie die operative Einfachheit. Zudem ist die Vergabe von Einlagen oft integraler Bestandteil einer umfassenderen Bankbeziehung (Cross-Selling bzw. Ancillary Business) – beispielsweise zur Sicherung von Kreditlinien, für das FX-Hedging oder den Zahlungsverkehr. Lässt man diese rein beziehungsorientierten Aspekte jedoch außer Acht, treten die strukturellen Limitationen von Bankeinlagen deutlich zutage.
Limitationen von Bankeinlagen: Kontrahentenrisiko, Liquidität und Rendite
Die erste und gravierendste Restriktion ist die Konzentration des Kontrahentenrisikos (Counterparty Risk). Bei einer unbesicherten Bankeinlage ist das gesamte investierte Kapital dem Ausfallrisiko eines einzigen Emittenten – der kontoführenden Bank – ausgesetzt.
Die zweite Einschränkung betrifft die Liquidität. Termingelder (Time Deposits) sind an fixe Laufzeiten gebunden. Eine vorzeitige Auflösung ist oft ausgeschlossen oder mit signifikanten Vorfälligkeitsentschädigungen (Pönalen) sowie Kündigungsfristen von mehreren Tagen oder Wochen verbunden. Für Treasurer, die unvorhersehbare Cashflows und Working-Capital-Schwankungen steuern müssen, ist dieser Mangel an Flexibilität ein erheblicher Nachteil.
Drittens bleibt die Rendite von Einlagen strukturell hinter den Marktzinsen zurück. Banken behalten naturgemäß eine Zinsmarge ein, sodass das allgemeine Zinsniveau nicht vollständig an den Endkunden weitergegeben wird.
Geldmarktfonds: Die institutionelle Antwort für modernes Cash Management
Geldmarktfonds, die den strengen Vorgaben der europäischen Geldmarktfonds-Verordnung (MMFR) unterliegen, adressieren diese Herausforderungen direkt und bieten maßgeschneiderte Lösungen:
- Diversifikation und Risikominderung: Ein Geldmarktfonds investiert in ein breit gestreutes Portfolio aus oft über 100 verschiedenen Emittenten. Das Universum umfasst Finanzinstitute, Corporates, Staaten sowie supranationale und staatliche Agenturen (Agencies) über diverse Sektoren und Länder hinweg. Die MMFR schreibt vor, dass ausschließlich in Instrumente mit hoher Bonität (High Credit Quality) investiert werden darf, die durch einen rigorosen internen Kreditprüfungsprozess der Kapitalverwaltungsgesellschaft validiert wurden.
- Tägliche Liquidität: Die überwiegende Mehrheit der Geldmarktfonds bietet eine tägliche Handelbarkeit (T+0-Settlement) – ohne Ausgabeaufschläge, Rücknahmegebühren oder Kündigungsfristen.
- Renditeoptimierung: Historisch betrachtet generieren Geldmarktfonds eine bessere Performance als klassische Bankeinlagen. Durch die direkte Investition am Geldmarkt (mit enger Bindung an Referenzsätze wie €STR oder Euribor) partizipieren Investoren nahezu eins zu eins an den Leitzinsen, ohne den Margenabschlag der Banken tragen zu müssen.