Diversifikation in der Ära der "Mag 7": Wie Private Equity neue Wege aufzeigt
Für die meisten Anleger, mit Ausnahme der wagemutigsten, steht die sektorale Diversifikation ganz oben auf der Prioritätenliste. Sie stellt sicher, dass die Gewichtung einzelner Branchen keine extremen Ausmaße annimmt und somit erhebliche Verluste vermieden werden, falls ein Sektor von Turbulenzen getroffen wird.
Trotz dieser allgemein anerkannten Anlagegrundregel gehen selbst weniger risikobereite Investoren angesichts des Aufstiegs der Maschinen zunehmend dieses Risiko ein. Technologiebewertungen, zuerst durch Software und jüngst durch KI getrieben, sind so kräftig gestiegen, dass viele Anleger unwissentlich mehr sektoral riskieren, als sie ursprünglich eingeplant hatten. Angesichts der Volatilität von Technologiebewertungen könnte eine Überbelichtung dieses Segments, falls die Bewertungen nach unten ausschlagen, erhebliche Schwankungen in einem Portfolio verursachen, wie wir es kürzlich erlebt haben. Volatilität ist insbesondere dann unerwünscht, wenn Anleger beispielsweise ihre Altersvorsorge bestreiten möchten. Investoren mit den Erinnerungen an den Dotcom-Boom und -Crash werden besonders vorsichtig sein.
Gleichzeitig möchten Anleger nicht die Gelegenheit verpassen, in wachstumsstarke Unternehmen zu investieren und von dem Schub zu profitieren, den dies langfristigen Renditen verschafft.
Wie lässt sich dieser Spagat also meistern?
Ein Weg führt über Investitionen in Private Equity. Private Equity ist weniger stark von Volatilität betroffen, insbesondere jene Fonds, die in kleinere Unternehmen investieren, welche das Fundament unserer Volkswirtschaften bilden. Zudem bietet es ein größeres Diversifikationspotenzial, als es derzeit an den öffentlichen Märkten zu finden ist.
Schieflage an den öffentlichen Märkten
Das Ausmaß, in dem Indizes der öffentlichen Märkte von Technologieunternehmen dominiert werden, ist bemerkenswert.
Die Magnificent Seven Technologieunternehmen machen derzeit (Stand Ende Februar 2026) 32,6 % des S&P 500 aus, im Vergleich zu nur 12,5 % im Jahr 2016. Tatsächlich stieg zwischen 2016 und 2025 die Bewertung dieser sieben Unternehmen um etwa 875,5 %, was den breiteren S&P 500 deutlich übertraf.1
Die Neigung kleinerer Kapitalisierungsindizes zum Technologiesektor ist weniger ausgeprägt, aber dennoch erkennbar. Der MSCI Russell 2000 verzeichnet eine ein Gewichtung von 13–15 % an Technologieaktien (Stand Ende März 2026).2
Daher ist es für Anleger deutlich schwieriger als in der Vergangenheit, ausreichend diversifizierte Portfolios aufzubauen, indem sie sich hauptsächlich oder ausschließlich auf öffentliche Märkte konzentrieren. Dies gilt insbesondere für Indexanleger und Anleger, die die Wertentwicklung ihrer Fonds anhand von Index-Benchmarks wie dem S&P 500 messen.
Relative Attraktivität von Private Equity
Da die öffentlichen Märkte zunehmend konzentriert werden, steigt die Attraktivität von Private-Equity-Assets.
„Technologie-Namen haben so viel Platz in den öffentlichen Märkten eingenommen“, sagt Nitin Gupta, US Managing Partner bei Flexstone Partners, eine auf Private Equity spezialisierten Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers. „Investoren erkennen zunehmend, dass man ohne Investitionen in Private Equity keine echte Diversifikation über Branchen hinweg und keine qualitativ hochwertigen Unternehmen erreicht.“
Flexstone operiert im Lower Mid-Market, wo wachstumsstarke Unternehmen aus jedem Sektor hervorgehen können. Dies hilft dem Unternehmen, diversifizierte Portfolios zu schaffen. „Wir sind nach Sektoren wie Unternehmensdienstleistungen, Fertigung, Industrie, Konsumgüter und Gesundheitswesen diversifiziert und investieren in drei Kernthemen: Unternehmen, die missionskritisch/kostengünstig im Verhältnis zu ihrem Wert sind, investieren in drei Kern-Themen: in Unternehmen mit missionskritische/kostenoptimierter Wertschöpfung, Bus -and-Build-Strategien und Digitalisierung“, erklärt Nitin. „Wir sind im Technologiesektor untergewichtet und das seit unserer Gründung vor 20 Jahren. Wir waren nie damit einverstanden, hohe Bewertungsmultiplikatoren oder umsatzbasierte Multiplikatoren im Technologiesektor zu zahlen, und wir glauben, dass sich diese Entscheidung jetzt auszahlt.“ Mit einer breiteren Branchenvielfalt und mehr Investitionen pro Fonds hat Flexstone eine größere inhärente Dämpfung gegenüber makroökonomischen Ereignissen wie geopolitischer Instabilität und Rezessionen, fügt er hinzu.
Der Large-Cap-Buyout-Bereich hingegen ist zunehmend hohen Technologie-Einstiegspreisen und potenziellen Bewertungsschocks ausgesetzt. In einigen der größeren Buyout-Fonds machen Technologieunternehmen etwa 20–25 % des Portfolios aus.
„In unseren Co-Investment-Strategien liegt der Anteil des Technologiebereichs weit unter 10 % des Portfolios. Wir sind sehr bewusst darauf bedacht, die Exposition gegenüber einzelnen Sektoren zu reduzieren“, fügt Nitin hinzu.
Innovation ist nicht exklusiv Technologie vorbehalten
Die Reduzierung der Technologieexposition bedeutet nicht zwangsläufig die Reduzierung der Exposition gegenüber Innovation oder Wachstum. Viele private Unternehmen sind innovativ, verfügen über ein überzeugendes Wertversprechen und Wachsen schnell. Von ihren Anfängen als Einzelunternehmer- oder Familienbetrieben wachsen diese Unternehmen, bis sie Private-Equity-Partner benötigen, die ein vielversprechendes, teils entwickeltes Geschäftsmodell übernehmen und es zu einem Unternehmen formen, , das Sektoren und sogar Gesellschaften transformieren kann.
KI hat ihren Platz
Selbst wenn Flexstone die direkte Exposition gegenüber KI-Unternehmen begrenzt, bleiben Technologie und KI dennoch ein Fokus. Die Manager von Flexstone erkennen, dass KI das Gesicht der Wirtschaft verändert, und integrieren daher bewährte KI-Techniken in die Geschäftsmodelle ihrer Portfoliounternehmen.
„Wir sind uns der KI-Risiken für Portfoliounternehmen bewusst, sowohl auf der positiven als auch auf der negativen Seite“, sagt Nitin.
„Es gibt derzeit eine gewisse Überreaktion auf die Auswirkungen von KI, aber unbestreitbar finden und werden weiterhin Disruptionen stattfinden. Die KI-Geschichte steckt noch in den Anfängen, und wir können uns nicht sicher sein, inwieweit verschiedene Branchen von den Effekten betroffen sein werden.“
Die positiven Aspekte dürften größere Effizienzen sein, auch wenn diese kurzfristig zu Arbeitsplatzverlusten führen könnte. „KI hat das Potenzial, Umsätze und Margen zu steigern, und unsere Portfoliounternehmen stehen nicht still“, sagt Nitin. Sie integrieren KI in ihre Geschäftsmodelle in Bereichen wie Kundensegmentierung, Schulung von Vertriebsmitarbeitern und Kundenservice, fügt er hinzu.
Anleger überdenken ihre Allokationen
Da die öffentlichen Märkte auf historisch hohem Niveau notieren (trotz erheblicher Volatilität), rebalancieren Anleger ihre Portfolios zunehmend in Richtung Private Equity, um Markteffekte abzufedern und die Diversifizierungsvorteile zu nutzen.
„Mehr als 80 % der Anleger halten ihre Private-Equity-Expsures aufrecht oder erhöhen sie“, sagt Nitin. „Private Equity steht für viele Anleger im Vordergrund, da sie im Vergleich zu öffentlichen Märkten im Sektor unterallokiert sind. Sie erkennen zunehmend die Diversifizierungsvorteile und das überlegene langfristige Renditepotenzial von Private Equity.“