In letzter Zeit wurde in den Medien viel über sinkende Renditen im Private-Equity-Segment und zu hohe Kapitalzuflüsse berichtet. Wie begegnen Sie diesen Risiken?
Das meiste Kapital fließt weiterhin in die größeren Fonds, die daraufhin noch größer werden. Das Problem ist daher, dass die größeren Private-Equity-Anbieter weit mehr Kapital haben, doch die Investitionsmöglichkeiten für diese Unternehmen nach wie vor eher begrenzt sind. Dadurch entsteht zwangsläufig eine Situation, in der diese größeren Fonds die Einstiegs- und Bewertungs-Multiples in die Höhe treiben und stärker auf Hebelwirkung setzen. Das wirkt sich auf die Gesamtrendite aus, bewirkt aber gleichzeitig, dass diese Unternehmen aufgrund des höheren Fremdkapitalanteils anfälliger für einen Abschwung in der Branche werden.
Deshalb fokussieren wir uns bei Flexstone Partners seit jeher auf das untere mittlere Marktsegment, in dem weniger Kapital eingeworben wird und die Investitionsmöglichkeiten angesichts der Anzahl kleiner Unternehmen, in die investiert werden kann, enorm sind. Außerdem hat das untere Ende noch drei Vorteile.
- Erstens: Die Einstiegsbewertungen sind niedriger.
- Zweitens: Die Chancen auf Wertschöpfung nach der Investition sind größer, weil es sich um kleinere Unternehmen handelt, die noch nicht so hoch entwickelt sind wie größere.
- Drittens: Die Exit-Möglichkeiten sind deutlich vielfältiger, denn diese Unternehmen wachsen und stellen daher großartige Übernahmekandidaten für strategische Käufer auf der einen oder große Private-Equity-Fonds auf der anderen Seite dar. Man ist beim Exit also nicht auf die Börse oder die liquidesten Kreditmärkte angewiesen wie im oberen Segment.
Exits scheinen in der Private-Equity-Branche schwieriger zu werden. Mit welcher Strategie gelingt Ihnen bei Flexstone der Exit aus Ihren Investitionen? Hat sich diese im Laufe der Jahre verändert?
Also insgesamt ist die Exit-Aktivität rückläufig – vor allem im Vergleich zum Niveau der Jahre 2021 und 2022. Diese Jahre würde ich allerdings aufgrund der vorausgegangenen COVID-Pandemie als gewisse Anomalie betrachten. In den letzten Jahren lagen höhere Zinsen, höhere Inflationsraten sowie makroökonomische und geopolitische Unsicherheit vor. All das hat die Investoren veranlasst, ihr Kapital vorsichtiger einzusetzen, wodurch die Bewertungs-Multiples unter die im Zeitraum von 2021 bis 2022 verzeichneten Werte fielen. Das wiederum hat Private-Equity-Fonds dazu veranlasst, ihre Portfoliounternehmen länger zu halten in der Hoffnung, beim Exit wieder die höheren Multiples zu erreichen, die ein paar Jahre zuvor beim Kauf vorlagen.
Bei Flexstone ist die Exit-Aktivität in diesem Jahr bisher rege, was meines Erachtens auf folgende Ursachen zurückzuführen ist:
- Erstens darauf, dass wir ins untere mittlere Marktsegment investieren, in dem das Transaktionsvolumen weitaus weniger beeinträchtigt wurde als im oberen.
- Zweitens auf unsere Investmentauswahl, die nach wie vor äußerst selektiv ist.
- Drittens darauf, dass wir Portfolios aufbauen, die nach Vintage-Jahr, Anzahl der Investitionen und Branche stark diversifiziert sind. Das trägt dazu bei, die allgemeinen makroökonomischen Störgeräusche zu dämpfen, die auf dem Markt festzustellen sind und die bestimmte Branchen womöglich weitaus stärker beeinträchtigen als andere.
- Und viertens: Wie schon erwähnt, bieten diese kleineren Unternehmen mehr Exit-Alternativen als größere, was auf ihre geringere Größe und auf die gebotenen Möglichkeiten für Käufer zurückzuführen ist, einen Deal auch dann durchzuziehen, wenn die Märkte angespannt sind, weil dafür nicht so viel Fremdkapital erforderlich ist. Obendrein stehen im Vergleich zum oberen Private-Equity-Segment weit mehr infrage kommende Käufer und Exit-Möglichkeiten zur Verfügung.
Wie erklärt sich die wachsende Beliebtheit von Continuation Funds? Gibt es Nachteile oder Risiken, die Investoren kennen sollten?
Meines Erachtens bleiben uns Continuation Funds erhalten. Sie sind kein vorübergehendes Phänomen. Sekundärfonds haben für die Continuation-Fund-Strategie Kapital in erheblicher Höhe eingeworben, und inzwischen beobachten wir, dass auch Primärfonds für dieselbe Strategie Kapital aufbringen.
Diese Continuation-Fund-Strategie eröffnet Verkäufern zusätzliche Möglichkeiten, Liquidität zu generieren, wenn es nicht möglich ist, ein Unternehmen zu verkaufen. Sie gewinnen an Beliebtheit, da GPs ursprünglich nur ihre besten Investments in diesen Vehikeln unterbrachten, weil sie einen Großteil ihres Carry oder ihrer GP-Gewinne reinvestierten und Kapital aus ihren neuen Fonds in dieselben Vehikel steckten. Sie mussten vom künftigen Erfolg dieser Investitionen also durch und durch überzeugt sein. Hinzu kommt, dass die Private-Equity-Fonds diese Unternehmen und Managementteams schon gut kennen. Es handelt sich dabei um bestehende Investitionen, sodass das Risiko deutlich geringer ist.
Der Nachteil ist andererseits, dass die Continuation-Vehikel nicht immer die höchste Exit-Bewertung erzielen, denn wenn es sich bei diesen Unternehmen um Trophäen für den Private-Equity-Fonds handelt, warum sollte man sie dann nicht einfach noch ein bisschen länger halten und ein robustes Auktionsverfahren durchlaufen, bei dem sich möglicherweise strategische Käufer oder andere Private-Equity-Fonds für den Kauf des Unternehmens interessieren?
Wie wir gesehen haben, konnten zahlreiche Continuation Funds schon sehr kurze Zeit nach ihrer Auflegung Wertzuwächse verzeichnen. Daher stellt sich ernsthaft die Frage, ob man als verkaufender LP unter Wertaspekten wirklich am besten fährt. Aber immerhin erhält man die Liquidität.
Der Druck, Privatanlegern Zugang zu Private Equity zu verschaffen, steigt. Es gibt aber auch Kritik, dass Rendite und Qualität der Investitionen darunter leiden könnten. Wie gehen Sie damit um?
Ich bin der Ansicht, dass sich die Qualität für Privatanleger aufrechterhalten lässt. Allerdings müssen sie im Gegenzug selbst oder durch einen Berater in der Lage sein, bei der Investition in Private-Equity-Fonds ihre Hausaufgaben zu machen. Mittlere Renditen und Private Equity mögen zwar gut dastehen, doch im Private-Equity-Segment ist das Delta zwischen dem obersten und dem untersten Quartil größer als bei anderen Anlageklassen. Privatanleger und ihre Berater müssen daher die bisherige Erfolgsbilanz eines Private-Equity-Fonds und die Sachkenntnis des Teams prüfen, klären, ob dieses noch in dieselbe Strategie investiert, auf das es sich nach eigenen Angaben derzeit fokussiert, sicherstellen, dass heute noch dasselbe Team investiert, das für bisherige Erfolge verantwortlich zeichnet, und dafür sorgen, dass der Private-Equity-Fonds, in den sie investieren, ein diversifiziertes Portfolio aufbaut, das unterschiedlichen Marktzyklen standhalten kann.
Welche neuen Entwicklungen in der Private-Equity-Branche finden Sie besonders spannend?
Bei den Neuinvestitionen ist KI natürlich das beherrschende Thema.
Ich spreche aber nicht von Investitionen in KI-Unternehmen oder Risikokapital und Wachstumsunternehmen, denn das ist nicht unser Ding. Das überlasse ich den Risikokapitalfonds. Doch im Mittelstand stehen wir bei der Implementierung von KI meiner Ansicht nach noch ganz am Anfang. Besonders spannend ist, dass mit der Weiterentwicklung von KI-Anwendungsfällen und der zunehmenden Implementierung von KI in den Betriebsabläufen von Unternehmen das Potenzial besteht, erhebliche Produktivitätssteigerungen freizusetzen, die das Umsatzwachstum und die Margen kleiner und mittlerer Unternehmen wesentlich in die Höhe treiben könnten. Das kann für alle Beteiligten erheblichen Wert bedeuten. Gleichzeitig werden sich die Inhaber dieser kleinen und mittelständischen Unternehmen für Partnerschaften mit Private-Equity-Fonds interessieren, die ihnen helfen, mit dieser Komplexität zurande zu kommen.