Die jüngsten Ereignisse unterstreichen die Resilience von Credit als Anlageklasse, die sich durch eine vergleichsweise geringe Volatilität gegenüber anderen Anlageklassen auszeichnet.
Wie beeinflussen geopolitische Ereignisse Kreditwert? Sind diese Auswirkungen vorübergehend?
Der Kreditmarkt hat zwar gelitten, aber wir haben bereits eine V-förmige Erholung gesehen. Die wichtigsten Punkte, auf die man achten muss, sind die Energiepreise, die Zinssätze und wie lange der Konflikt andauern könnte. Der Anstieg der Energiepreise wirkt sich direkt auf Inflation und Wachstum und damit auf die Zinssätze aus. Parallel dazu entwickelt sich dieser militärische Konflikt zu einem Wirtschaftskrieg, bei dem die Wiedereröffnung der Straße von Hormus im Fokus steht.
Wann wird das geschehen und wie groß werden die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts wirklich sein?
Niemand weiß es und alle befinden sich heute in einer Warteposition. Eines ist jedoch sicher: Es wird Zeit brauchen, bis wir ein klares Bild von den wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Konflikts haben. Der aktuelle Kontext unterstreicht somit das besondere Interesse, das Credit bietet. Nicht nur der Carry ist ein großer Vorteil, sondern auch gesunde Bilanzen der Unternehmen und eine geringe Verschuldung machen die Anlageklasse Credit weiterhin attraktiv. In Kombination mit den Instrumenten einer Total-Return-Strategie ergibt sich eine sehr reizvolle Kombination für Investoren.
Welche Kreditprofile sind Ihrer Meinung nach am besten positioniert?
Erstens sind wir der Überzeugung, dass Qualität im aktuellen Umfeld erhöhter Unsicherheit am besten positioniert ist. Ein vorsichtiger Ansatz begünstigt in der Regel Investment-Grade-Anleihen und High Yield. Zweitens gehen wir davon aus, dass das Wachstum in den USA widerstandsfähiger sein wird als in Europa. Daher äußern wir uns derzeit zurückhaltender bezüglich Europa, insbesondere in Hinblick auf zyklische Branchen und Unternehmen, die unter höheren Energiekosten leiden werden. Insgesamt sind jene Kreditprofile am besten aufgestellt, die von den steigenden Energiepreisen profitieren können und nur begrenzte internationale Engagements aufweisen. Daher konzentrieren wir uns weniger auf Sektoren wie Papier und Verpackung sowie Automobil, aber wir sehen großes Potenzial im Bankensektor, und eine Branche, die heute offensichtlich stark profitiert, ist die Rüstungsindustrie.
Wie hat sich Ihr Ausblick für Wachstum und dessen Auswirkungen im gesamten Kredit-Spektrum verändert?
Grundsätzlich profitiert die Anlageklasse Credit in Zeiten verlangsamten Wachstums. Wir gehen davon aus, dass die Performance zukünftig primär aus dem Carry resultieren wird, da die Spreads in den kommenden Monaten angesichts der Volatilität tendenziell leicht steigen könnten.
Dies beschert uns einen Kreditmarkt mit ansprechenden Renditen: 3,5 % bei Investment Grade und über 5 % bei High Yield – und damit mehr als Geldmarktrenditen oder die erwartete Inflation.
Ausfallraten sind für uns kein vorrangiges Problem. Wir erwarten zwar eine Verlangsamung des Wachstums, rechnen aber nicht mit einer Rezession. Angesichts weiterhin solider Fundamentaldaten und der Fähigkeit von Unternehmen, sich anzupassen, kommen hier die Vorteile des aktiven Managements im Credit-Bereich voll zum Tragen. In diesem unsicheren und volatilen Umfeld, das uns erhalten bleiben wird, ist die Fähigkeit zur schnellen Reaktion, zur Portfolioabsicherung, zur Duration-Steuerung und zur Erhöhung des Risikos bei verbesserten Marktaussichten entscheidend. Diese Flexibilität macht Total-Return-Kreditstrategien äußerst attraktiv.