Wie man festverzinsliche Wertpapiere in einer Welt mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten navigiert
Die globale Ordnung, die einst die Märkte verankerte, verschiebt sich – und damit auch der Leitfaden, auf den sich Anleger jahrzehntelang verlassen haben.
Besonders gefährdet ist das langjährige 60/40-Modell– eine Strategie, die 60 Prozent eines Portfolios für Wachstum in Aktien und die restlichen 40 Prozent zur Absicherung in Anleihen investiert. Historisch gesehen stiegen Anleihen, wenn Aktien fielen, um den Verlust auszugleichen. In den letzten Jahren haben sie sich jedoch oft im Gleichschritt bewegt, wodurch Portfolios erhöhter Marktvolatilität ausgesetzt waren.
Paul Lentz, Junior Portfolio Manager bei DNCA Investments, einer Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers, erklärt, warum ein grundlegendes Umdenken bei festverzinslichen Wertpapieren erforderlich ist, um die heutigen globalen Komplexitäten zu bewältigen.
F: Wie sollten sich festverzinsliche Anlagestrategien in einer multipolaren Welt, die von strukturellen Schocks geprägt ist, anpassen, um Kapital zu erhalten?
Lentz: Der Wandel hin zu einem multipolaren System ist der prägende säkulare Trend des letzten Jahrzehnts. Die Ära der unangefochtenen US-Dominanz, in der der Dollar als alleiniger Anker der Welt diente, liegt hinter uns. Und wir treten in einen strukturellen Übergang ein, in dem die Grundlagen des Handels und des geldpolitischen Gleichgewichts neu definiert werden.
Historisch gesehen waren wirtschaftliche Verlangsamungen überwiegend auf Seite der Nachfrage getrieben, und Zentralbanken konnten das Wachstum durch Senkung der Zinssätze ankurbeln. In einer Welt der Deglobalisierung und sich verschiebenden Allianzen sehen wir uns nun auf Seite des Angebots gewissen Schocks gegenüber, wie Handelsreibung, Ressourcenwettbewerb und regionale Konflikte, die Inflation und Zinssätze in die Höhe treiben, während sie gleichzeitig das Vertrauen und den Konsum dämpfen. Dies führt dazu, dass sowohl Aktien als auch Anleihen gleichzeitig verkaufen.
Das bedeutet, dass festverzinsliche Wertpapiere in ihrer passiven Form nicht mehr als verlässlicher Hedge fungieren. Um Kapital zu erhalten und positive Renditen zu erzielen, müssen Anleger Flexibilität und Liquidität priorisieren, damit sie schnell umschwenken können, wenn sich die Umstände ändern.
F: Wenn Aktien und Anleihen nun in die gleiche Richtung tendieren, wie können Anleger wirklich diversifizieren?
Lentz: Wenn diese traditionelle 60/40-Diversifikationsstrategie zusammenbricht, können Anleger auf Absolute-Return-Strategien umsteigen, um ihre Portfolios zu schützen. Solche Strategien zielen auf positive Gewinne unabhängig von der Marktrichtung ab, im Gegensatz zu Strategien, die nur versuchen, einen bestimmten Index zu schlagen, selbst wenn dieser schlecht abschneidet. Dieser Ansatz ermöglicht es Anlegern, über reine Zinswetten hinauszublicken und das Risiko durch die Einbeziehung anderer Strategien in ihre Allokation für festverzinsliche Wertpapiere zu diversifizieren, einschließlich Devisen, Schwellenländer, Realzinsen und Zinskurvenpositionierung.
Echte Diversifikation erfordert nun die Betrachtung des Gesamtportfolios. Das Ende des 60/40-Modells hat Möglichkeiten geschaffen, reale Vermögenswerte wie Rohstoffe in ein Portfolio aufzunehmen. Diese bieten oft einen starken Schutz gegen genau jene angebotsseitigen Schocks, die dazu führen, dass Aktien und Anleihen gemeinsam verkaufen.
F: Hat das passive Anleihenindexing in der heutigen volatilen Marktwirtschaft noch seinen Platz?
Lentz: Das Argument für passives Anleiheninvestment ist erheblich geschwächt. Während es eine kostengünstige Option bleibt, werden seine inhärenten Mängel in einer multipolaren Welt noch verstärkt.
Die meisten Anleihenindizes sind nach dem Umfang der ausstehenden Schulden gewichtet. Dies schafft eine sogenannte Schuldenfalle, denn je mehr ein Land oder Unternehmen Kredite aufnimmt, desto größer wird sein Gewicht im Index. Effektiv verdoppelt ein passiver Investor seine Einsätze auf die am höchsten verschuldeten Einheiten. Dies unterscheidet sich grundlegend vom Aktienindexing, wo die Marktkapitalisierung mit dem Erfolg eines Unternehmens wächst. Das heißt, kurzfristige passive Fonds können immer noch Kapital für Anleger mit geringer Risikobereitschaft erhalten. Sie entbehren jedoch der Agilität des aktiven Investierens, um die schnellen Verschiebungen bei Zinssystemen und Kreditzyklen auszunutzen, die sich nun weltweit abspielen.
F: Wie können Anleger Inflationsdruck gegen das deflationäre Potenzial künstlicher Intelligenz (KI) abwägen?
Lentz: Ich glaube, der Markt konzentriert sich übermäßig auf das langfristige deflationäre Versprechen von KI. Ich glaube, es gibt einen übersehenen kurzfristigen Inflationsdruck, der durch massive Kapitalausgaben und erhöhte Nachfrage nach KI-bezogenen Rohstoffen, Energie und spezialisierten Arbeitskräften angetrieben wird.
Diese Kräfte wirken nicht isoliert. Da die Nachfrage nach Rechenleistung steigt, wird der Druck auf die globalen Lieferketten die Belastung durch die Deglobalisierung noch verstärken und die Preise in die Höhe treiben. Für Anleger ist entscheidend, eine flexible Strategie beizubehalten, die die Chancen technologischer Gewinner nutzen und gleichzeitig die Exposition gegenüber Verlierern schnell reduzieren kann.
F: Angesichts des Aufstiegs des algorithmischen Handels – ist menschliches Urteilsvermögen im Fixed Income noch unerlässlich?
Lentz: Algorithmischer und KI-gestützter Handel hat die Märkte zweifellos schneller und reaktionsfähiger gemacht. KI zeichnet sich durch die Verarbeitung riesiger Datensätze zur Mustererkennung aus, kämpft jedoch mit idiosynkratischen Risiken und beispiellosen Black-Swan-Ereignissen. Menschliches Urteilsvermögen bleibt daher unverzichtbar.
Das Risiko einer übermäßigen Abhängigkeit von KI liegt in der Homogenisierung der Marktreaktionen. Da Algorithmen voneinander lernen, schaffen sie eine Feedbackschleife, die den Fokus des Marktes auf einige vorhersehbare Muster verengt. Dies macht das gesamte Finanzsystem anfälliger für unvorhergesehene Störungen.
Andererseits haben Menschen die Fähigkeit, Ereignisse qualitativ zu interpretieren, zum Beispiel die Nuancen des Tons einer Zentralbank oder die langfristigen Auswirkungen einer geopolitischen Verschiebung. In einer komplexen und multipolaren Welt können Maschinen die quantitative Analyse übernehmen, aber Menschen müssen die strategische Steuerung und Entscheidungsfindung beibehalten.
Veröffentlicht im The Business Times am 29. April 2026