Video recorded on the 18th March 2026
Aktuelle Markteinschätzung und Sektorpräferenzen
Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten ändert unsere längerfristige Einschätzung des globalen Wirtschaftswachstums nicht, da wir davon ausgehen, dass der Konflikt nur von kurzer Dauer sein wird.
Welche Sektoren bevorzugen Sie derzeit?
Angesichts des aktuellen geopolitischen Umfelds bevorzugen wir stark Sektoren und Unternehmen mit einer weniger globalen Präsenz. Denken Sie beispielsweise an Unternehmen aus dem Lebensmitteleinzelhandel, Telekommunikationsunternehmen sowie Infrastrukturunternehmen. Ihre Geschäftsmodelle sind zudem defensiver und wir schätzen das M&A-Risiko, das zu einer starken Verschlechterung ihres Kreditprofils führen könnte, als begrenzter ein im Vergleich zu Unternehmen in anderen Sektoren.
Sehen Sie Chancen im Investment Grade- und High Yield-Bereich?
In dem aktuellen, sehr komprimierten Marktumfeld ist die Spread-Differenz zwischen Unternehmen mit Investment-Grade-Rating und denen mit High-Yield-Rating relativ gering. Das bedeutet, die Möglichkeiten sind begrenzter, aber es gibt immer noch Chancen, die wir gerne verfolgen.
Da wir weiterhin recht konstruktiv gegenüber dem Wirtschaftswachstum eingestellt sind, sehen wir immer noch einige Unternehmen, die in den Investment-Grade-Bereich aufgestuft werden, und wir freuen uns, diese Gelegenheiten zu nutzen. Ähnlich verhält es sich damit, dass wir aufgrund unserer weiterhin positiven Einschätzung des Wirtschaftswachstums nur eine begrenzte Anzahl von Unternehmen sehen, die Gefahr laufen, zu High Yield herabgestuft zu werden, insbesondere im Chemiesektor. Aber auch dort, da die Spread-Differenz zwischen Investment Grade und High Yield eher gering ist, sind die tatsächlichen Abwärtsrisiken für diese Unternehmen begrenzter als in der Vergangenheit.
Welche Risiken unterschätzen Ihrer Meinung nach die europäischen Kreditinvestoren?
Wir sind der Ansicht, dass das Risiko im Allgemeinen von den Investoren unterschätzt wird, wenn man eine längerfristige Perspektive einnimmt. Wir haben einen stetigen Geldzufluss in die Anlageklasse verzeichnet, sei es in feste Laufzeitfonds, Portfolio-Trading oder ETFs. Dies sind undifferenzierte Käufer von Anleihen, was bedeutet, dass sie nicht wirklich darauf achten, welche Unternehmen sie kaufen, sondern einfach nur investiert sein wollen. Das funktioniert gut, solange es Zuflüsse gibt, aber sie sind nicht wirklich empfänglich für das, was wir als "Relative Value" bezeichnen – also wo man im Markt die beste Risiko-Rendite erzielen kann.
Sollten diese Zuflüsse jedoch stoppen oder sich sogar umkehren, werden wir sehen, wer bestehen kann, und dann wird die wirkliche Preisfindung am Markt stattfinden. Dies ist unserer Meinung nach ein strukturelles Risiko, das der Markt derzeit unterschätzt.