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Weltweit fehlen bei der Finanzierung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) schätzungsweise 2,3 Bio. Euro im Jahr.1 Ganz offensichtlich muss noch mehr getan werden, um Kapitalflüsse zu mobilisieren, vor allem in Schwellenländer. Die Mischfinanzierung könnte da zumindest eine Teillösung bieten.

Mischfinanzierung funktioniert, indem öffentliche Mittel verwendet werden, um private Investitionen zu fördern. Dadurch lassen sich Projekte oder Unternehmen finanzieren, die unter normalen Umständen nur schwer genügend Kapital auftreiben könnten. Gewöhnlich zielen Mischfinanzierungsprojekte nicht nur auf finanzielle Erträge für die Investoren ab, sondern auch auf wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Nutzen für Kommunen. In den letzten Jahren sind dank der Mischfinanzierung Milliarden von Dollar in Bereiche wie nachhaltige Forstwirtschaft, Fischerei und Landwirtschaft und um die Natur zu schützen, geflossen.


Wir beobachten ein wachsendes Interesse an Mischfinanzierung. Dafür gibt es drei Hauptgründe: Erstens geht es dabei um Sachwerte – man investiert in etwas Reales. Zweitens bietet sie Diversifizierung und Rendite – besonders im derzeitigen Niedrigzinsumfeld. Und drittens sind da die soziale Wirkung und der Wunsch, durch die eigenen Investments zu den SDGs beizutragen.”

~ Gautier Quéru
Investment Director, Mirova


Außerdem gibt es mehr Innovation – in den letzten Jahren ist der Markt für Mischfinanzierungen auf über 140 Mrd. US-Dollar (127,5 Mrd. Euro) angewachsen.2 Trotz dieses Wachstums hat die Mischfinanzierung laut einem aktuellen Bericht der Sustainable Finance Initiative der Stanford University „ihr ganzes Potenzial noch nicht entfaltet“. Durch Mirova sind wir derzeit mit rund 400 Mio. US-Dollar (364,3 Mio. Euro) an Mischfinanzierungen für Schwellenländer beteiligt. Wir gehen davon aus, dass dieser Betrag spätestens 2022 auf mindestens 1 Mrd. US-Dollar (911 Mio. Euro) angewachsen sein wird.

Bei Mischfinanzierungen sorgt der Staat im Grunde für Abwärtsschutz. Staatliche Garantien setzen private Investitionen frei, weil sie das Risiko verringern – die meisten Mischfinanzierungen beziehen sich auf Projekte oder Unternehmen in Afrika südlich der Sahara, Lateinamerika oder Asien, wo das Marktrisiko im Schnitt deutlich höher ist als in Europa oder den Vereinigten Staaten.

Staatliche Mittel verschaffen Projekten auch die nötige Zeit, um eine Erfolgsbilanz aufzubauen – um nachzuweisen, dass sie nicht nur eine positive gesellschaftliche oder ökologische Wirkung haben, sondern auch die Gewinne, Zahlungsströme oder Dividenden abwerfen, auf die Anleger angewiesen sind, wenn sie Rendite erzielen wollen.

Mischfinanzierungen gehen gewöhnlich von Haus aus mit einer Wirkungsmessung einher. Die Operating Principles for Impact Management der International Finance Corporation (IFC) liefern dafür einen geeigneten Rahmen. Liegt erst einmal eine Erfolgsbilanz vor, geht der Bedarf an öffentlichen Mitteln zurück – möglicherweise auf null. Die Investoren können die Wertentwicklung analysieren und Risiken bewerten, ganz wie bei einer konventionelleren Finanzierung.

Amazon forest cover (1990-2018)
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Source: Amazon Deforestation Rate, Mongabay data published by Amazonia. Copyright by Brazil’s National Institute for Space Research (INPE).

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3,2 Milliarden Menschen sind von Landverödung betroffen. Das sind über 40 % der Weltbevölkerung.3 3
Quelle: Global Environment Facility

60% der wichtigsten Meeresökosysteme sind bereits geschädigt oder werden nicht nachhaltig genutzt. 4
Quelle: UNESCO

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Manche Tochtergesellschaften ziehen die SDGs als Investmentrahmen für die Verwaltung eines Vermögens von rund 12,5 Mrd. Euro heran.

 

Aus Sicht eines Vermögensverwalters erfordern Mischfinanzierungen schon im Vorfeld fundierte Sachkenntnis – erst, um wirtschaftliche Projekte ausfindig zu machen, und dann, um den privaten Investoren ein Arrangement schmackhaft zu machen, das durchaus komplex sein kann. Deshalb haben die Vermögensverwalter ihr Kompetenzspektrum entsprechend erweitert – so beschäftigten sie vermehrt Agrarwissenschaftler oder Fachleute für Forstwirtschaft, um neue Transaktionen besser analysieren zu können.

Für den Investor können Mischfinanzierungen Renditen auf Marktniveau oder darüber bieten. Doch die Vorteile hören nicht bei finanziellen Aspekten auf. In Schwellenländern können Mischfinanzierungen die Abhängigkeit von Entwicklungshilfe aus dem Ausland oder von philanthropischen Stiftungen verringern. Die Bündelung von Ressourcen – aus dem privaten und dem öffentlichen Sektor – bedeutet mehr Investitionen im richtigen Maßstab. Vor allem aber fließt das Geld in die Bereiche, in denen es am dringendsten benötigt wird: um gegen den Klimawandel und den Verlust an Artenvielfalt zu kämpfen und in den Kommunen bessere, nachhaltigere Möglichkeiten zu bieten, den eigenen Lebensunterhalt zu erwirtschaften.


Letztlich könnten es Mischfinanzierungen sein, durch die Investoren wie wir die größte gesellschaftliche Wirkung erzielen. Doch um das zu ermöglichen, müssen wir hochskalieren – und zwar schnell. Das bedeutet, dass Portfoliomanager, Analysten und Risikomanager eingebunden werden müssen – also alle, die wissen, wie man derart komplexe Investments strukturiert.”

~ Harald Walkate
Head of Corporate Social, Responsibility and ESG, Natixis Investment Managers

 


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem ersten Responsible Investment Report mit dem Titel ‚Making A Difference‘.

Vollständigen Bericht herunterladen

 

1 Roadmap for Financing the 2030 Agenda for Sustainable Development des Generalsekretärs der Vereinten Nationen

2 ‘Catalyzing capital transition toward decarbonization: blended finance and its way forward – Frühjahr 2020‘, Stanford Sustainable Finance Initiative’, Stanford Sustainable Finance Initiative

3 Global Environmental Facility (www.thegef.org/topics/land-degradation), Mayi 2020

4 Facts & Figures on Marine Biodiversity, abrufbar unter http://www.unesco.org/

Diese Unterlagen dienen ausschließlich der Information und sind nicht als Investmentberatung zu verstehen. Die vorstehend geäußerten Ansichten und Stellungnahmen entsprechen dem Stand zum angegebenen Datum und können sich aufgrund von Markt- und sonstigen Bedingungen ändern. Es kann nicht zugesichert werden, dass Entwicklungen wie prognostiziert ablaufen.
 
Mirova ist eine Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers. MIROVA Französische Aktiengesellschaft mit Verwaltungsrat Reguliert durch die AMF unter der Nr. GP 02-014 RCS Paris Nr. 394 648 216 Eingetragener Sitz: 59, Avenue Pierre Mendes France – 75013 – Paris Mirova ist eine Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers.
 
Die Informationen zu den Tochtergesellschaften stammen aus internen Fragebögen, die von den verbundenen Vermögensverwaltern im Rahmen einer von Natixis Investment Managers durchgeführten Umfrage ausgefüllt wurden.
 

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