Quelle: FactSet per 31.03.2026. Für jeden Monat werden die Indexkonstituenten mit verfügbaren Renditedaten nach ihrer monatlichen Gesamtrendite gerankt und in Dezile unterteilt. Der dargestellte P90-P10-Spread zeigt die Differenz zwischen der monatlichen Gesamtrendite des 90. Perzentils und des 10. Perzentils der im MSCI World ex USA enthaltenen Titel. Die Dispersion berechnet sich aus der Differenz zwischen der durchschnittlichen Rendite des obersten und des untersten Dezils (gleichgewichtet). Der historische Durchschnitt ist der einfache Durchschnitt des vierteljährlichen P90-P10-Spreads über den gesamten dargestellten Zeitraum. Die Grafik dient ausschließlich Informationszwecken und stellt nicht die Wertentwicklung einer Strategie oder eines Produkts von Harris | Oakmark dar. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Portfoliomanager Mike Nicholas, der eng mit Bill Nygren zusammenarbeitet, erläutert die Situation wie folgt: „Wenn die Dispersion dieses Ausmaß erreicht, können wir Positionen, die nahe an unserem Kursziel bewertet sind, effizient umschichten. Dieses Kapital reinvestieren wir in attraktivere Titel, die mit einem deutlicheren Abschlag zu unserem geschätzten inneren Wert (Intrinsic Value) gehandelt werden[…] Im vergangenen Quartal haben wir angesichts dieser enormen Dispersionsbreite dreimal so viele Aktien neu aufgenommen wie im Durchschnitt. Das ist einer der höchsten Werte in einem einzelnen Quartal, den wir seit dem Platzen der Dotcom-Blase verzeichnen konnten."
Das Team von Mike und Bill baute entsprechende Positionen über verschiedene Sektoren hinweg auf, agierte jedoch besonders aktiv im Software-Sektor. Dort wurden Technologietitel aufgrund von Befürchtungen im Zusammenhang mit KI-Disruptionen teilweise massiv und undifferenziert abverkauft. Die Analysten von Harris | Oakmark stufen diese Risiken in vielen Fällen als übertrieben ein, wie Analyst Jeremy Thames in einem aktuellen Beitrag darlegt. Mike Nicholas hebt hervor, dass Software-Aktien derzeit auf den niedrigsten relativen KGVs seit mindestens 1980 gehandelt werden – also noch vor den Anfängen der modernen Software-Industrie (Microsoft ging beispielsweise erst 1986 an die Nasdaq). Auch das internationale Portfoliomanagement-Team nutzte die Kursrückgänge im Quartalsverlauf, um die Gewichtung im Software-Sektor durch neue Positionen sowie den Zukauf bestehender Titel zu attraktiveren Kursen strategisch auszubauen.
Infolge der anhaltenden Outperformance von Momentum-Werten, der relativen Schwäche von Value-Titeln sowie der hohen Transaktionsaktivität der Portfoliomanager weisen die US- und Global-Equity-Portfolios von Harris | Oakmark nun im Vergleich zu ihren Benchmarks sehr niedrige Bewertungen auf. Per Ende Mai notierte der Harris Associates U.S. Value Equity Fund bei einem KGV (P/E-Multiple) von 11,5x, während der Harris Associates Global Equity Fund ein KGV von 13,4x aufwies. Zum Vergleich: Der S&P 500 lag derweil bei einem KGV von 21,3x und der MSCI World Index bei 19,5x.2
Die Steuerung des Momentum-Zuges
Aktieninvestoren stehen vor einer zentralen Herausforderung. Die Dynamik des Momentum-Faktors hat nicht nur die Bewertungen der erfolgreichsten Marktteilnehmer in historische Höhen getrieben, sondern führt in vielen Portfolios auch zu einer zunehmenden Klumpenbildung in genau diesen Titeln. Dies betrifft nicht nur passive Indexinvestoren im S&P 500 und MSCI World, sondern ebenso Anleger, die ihr Kapital aktiven oder quantitativen Managern anvertraut haben, welche zwar eine aktive Verwaltung vorgeben, sich in der Realität jedoch kaum von ihrer Benchmark abheben (sogenannte „Closet Indexer").
Demgegenüber können Portfoliomanager, die bewusst vom Konsens abweichen, Investoren echte Diversifikation und ein effektives Risikomanagement bieten. Bill Nygren betont in diesem Zusammenhang, dass die Korrelation seiner Strategie zum breiten Marktindex „derzeit auf dem niedrigsten Stand seit der Dotcom-Blase liegt".
Der überragende Erfolg von Momentum-Strategien verleitet Marktteilnehmer dazu, ihre langfristigen Anlageüberzeugungen und Risikoparameter über Bord zu werfen. Die historische Abfolge von Boom-and-Bust-Zyklen an den Finanzmärkten mahnt jedoch eindringlich vor den Risiken einer einseitigen Ausrichtung („All-in"). Bill Nygren resümiert: „Möglicherweise ist dieses Mal tatsächlich alles anders, Metaphern wie fliegende Schweine oder Bäume, die in den Himmel wachsen, bewahrheiten sich. Doch wenn am Ende das Gesetz der Schwerkraft an den Märkten gilt – und davon sind wir überzeugt –, dann sehen wir uns für das Jahr 2026 und darüber hinaus hervorragend positioniert."
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