Japan stellt 2026 eine riesige Chance dar. Natürlich waren der lange Laufzeitbereich und lange japanische Staatsanleihen (JGBs) zwei der größten "pain-trades" im Jahr 2025. Die makroökonomische Landschaft ist jetzt jedoch wesentlich klarer als noch Ende letzten Jahres.
Wie erwarten Sie die weitere Entwicklung der Inflation?
Wir beobachten derzeit in den entwickelten Volkswirtschaften eine "K-förmige" Inflationsdynamik. Einerseits nähert sich die Inflation in Europa und im Vereinigten Königreich dem Zielwert an oder liegt bereits darunter. Andererseits kämpfen einige Regionen weiterhin mit höheren Preissteigerungen als gewünscht. Die USA sind ein klares Beispiel dafür. Die Inflation liegt derzeit über dem Zielniveaus, ohne dass sich die wirtschaftliche Aktivität signifikant abschwächt. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch in Ländern wie Australien.
Das bedeutet, dass für das Jahr 2026 wenig Unterstützung von der Geldpolitik zu erwarten ist. Die wenigen Regionen, in denen die Erwartungen an die kurzfristigen Zinssätze gut verankert sind und die Defizite unter Kontrolle sind, wie Italien und Spanien, könnten daher aus Investorensicht attraktiver sein. Aber hierbei geht es hauptsächlich darum, den Zinsertrag und den Roll-Down-Effekt zu realisieren.
Wo sehen sie aktuell die größten Chancen im Bereich festverzinsliche Wertpapiere?
Japan stellt 2026 eine riesige Chance dar. Natürlich waren der lange Laufzeitbereich und lange japanische Staatsanleihen (JGBs) zwei der größten "pain trades" im Jahr 2025. Die makroökonomische Landschaft ist jedoch jetzt wesentlich klarer als noch Ende letzten Jahres. Die Wahlen sind hinter uns, die Premierministerin verfügt über eine klare Mehrheit und hat offen ihre gewünschten Programme dargelegt. Daher sollten hier keine Überraschungen zu erwarten sein. Es handelt sich um ein typisches "Sell the rumour, buy the news"-Ereignis.
Aus Bewertungssicht weist die japanische Zinskurve mit Abstand die steilste Steigung in den G10-Staaten auf. Man wird sehr gut dafür entschädigt, in Japan lange Laufzeiten von 20 bis 30 Jahren zu kaufen. Alles hat seinen Preis. Mit einer Bank of Japan (BOJ), von der erwartet wird, dass sie die Zinssätze langsam auf 1,5 % anhebt, ergibt es keinen Sinn, wenn die 30-jährige japanische Rendite bei 3,5 % liegt.
Darüber hinaus ist das aktuelle makroökonomische und geopolitische Umfeld günstig für die Rückführung von Vermögenswerten nach Japan. Hinsichtlich der Rendite sind JGBs auf Basis einer Währungssicherung mittlerweile attraktiver als US-Treasuries oder französische OATs. Und die politischen Spannungen, die von den USA ausgehen, werden Länder ermutigen, ihre Bestände zu diversifizieren. Da japanische Investoren rund 2,5 Billionen US-Dollar an US-Anlagen halten, könnte eine Rückführung von etwa 7 % des US-Bruttoinlandsprodukts in japanische Vermögenswerte und JGBs ein starker Katalysator für niedrigere Renditen am langen Ende der Zinskurve sein.
Was ist das größte Risiko, das Sie an den Märkten sehen?
Ich bin der Ansicht, dass die Märkte derzeit das Risiko eines stärker als erwarteten Wirtschaftswachstums im Jahr 2026 nicht ausreichend einpreisen. In den USA stehen die Voraussetzungen für ein weiteres Jahr robusten Wachstums grundsätzlich gut. Die Steuersenkungen aus dem „One Big Beautiful Bill“ dürften bereits in der ersten Jahreshälfte ihre volle Wirkung entfalten. Die Normalisierung am Arbeitsmarkt liegt weitgehend hinter uns, und auch die Unsicherheit rund um den Handelskonflikt nimmt ab, da sich der politische Fokus zunehmend auf die Zwischenwahlen verlagert. Möglicherweise liegt der entscheidende Treiber jedoch im privaten Sektor. Betrachtet man die jüngsten Investitionsankündigungen der fünf großen Hyperscaler, wird erwartet, dass rund 650 Milliarden US-Dollar, rund 2% des US-BIP, direkt in die Wirtschaft fließen. Eine positive Überraschung in Europa könnte jedoch noch disruptiver wirken. Nach mehreren Jahren der Stagnation sind die Erwartungen an die Eurozone äußerst niedrig, sogar mit den umfangreichen fiskalpolitischen Investitionsplänen in Deutschland.
Der Markt ist skeptisch, und das aus gutem Grund. Die Umsetzung dieses Fiskalpakets bietet viel Raum für Enttäuschungen, sei es beim Timing, bei der Geschwindigkeit der Einführung oder bei der tatsächlichen Kapazität des Arbeitsmarktes, dieses Investitionsniveau aufzunehmen. Die Diskrepanz zwischen geringen Erwartungen und einem massiven fiskalischen Anreiz ist etwas, das Investoren das ganze Jahr über sehr genau beobachten müssen.
Wie würde sich ein dramatischer Ausverkauf von KI-bezogenen Aktien auf festverzinsliche Wertpapiere auswirken?
Ein dramatischer Ausverkauf von KI-bezogenen Aktien könnte verheerende Nachrichten für das Wachstum bedeuten. Derzeit sind Technologieunternehmen über direkte und indirekte Effekte einer der Hauptwachstumstreiber in den USA.
Ein solcher Ausverkauf würde wahrscheinlich die Wirtschaftsaktivität, den Konsum und den Arbeitsmarkt belasten und die Inflationserwartungen deutlich senken. In einem solchen Umfeld könnte sich die positive Korrelation zwischen Anleihen und Aktien, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, schnell umkehren, und Anleihen, insbesondere nominale Anleihen, könnten deutlich besser abschneiden. Dies wäre jedoch auch ein systemischer Schock für stark vom Technologiesektor abhängige Volkswirtschaften wie die USA. Daher sollten in einem solchen Szenario Anleihen von Ländern mit einer robusten Haushaltslage und geringerer KI-Exposition, wie beispielsweise Deutschland, Australien oder Neuseeland, besser abschneiden und wieder zu einem sicheren Hafen für Anlagen werden.