1. Wie entwickeln sich die Fundamentaldaten für europäische Investment Grade (IG)-Anleihen in diesem Jahr?
Die Fundamentaldaten sind Anfang 2026 weiterhin recht solide, trotz einer jüngsten moderaten Verschlechterung. Wir schätzen, dass das EBITDA-Wachstum europäischer Unternehmen im Jahresvergleich um etwa 2 % zurückgegangen ist. Die Verschuldung ist leicht gestiegen, liegt aber immer noch komfortabel im mittleren Bereich ihrer 10-Jahres-Spanne.¹ Interessanterweise scheinen sich die Zinsdeckungsgrade stabilisiert zu haben, was darauf hindeutet, dass sich die Unternehmen gut an die Marktbedingungen angepasst haben und dies unserer Ansicht nach wahrscheinlich auch weiterhin tun werden. Auf der Ratingseite entwickeln sich die Dinge positiv, insbesondere nach Heraufstufungen in wichtigen europäischen Volkswirtschaften wie Spanien und Italien. Insgesamt behauptet sich der europäische IG-Bereich mit einem relativ widerstandsfähigen Profil.
Die Konsens-Gewinnschätzung für den Sektor ist für 2026 recht optimistisch und deutet auf eine deutliche Erholung der Gewinne in Europa hin, die durch deutsche Fiskalausgaben, geringere Tarifsunsicherheiten, eine sich verbessernde Situation in China und potenziell günstigere Finanzierungsbedingungen gestützt wird. Diese erwartete Erholung ist ein Lichtblick für die Credit-Fundamentaldaten und könnte, wenn sie eintritt, stabile bis sich verbessernde Kreditkennzahlen unterstützen, unserer Ansicht nach.
2. Haben Spreads und Renditen in letzter Zeit größere Bewegungen gezeigt? Und was bedeutet das für Investoren?
Nachdem die Spreads zum Jahresende seitwärts tendierten, haben sie sich weiter komprimiert, wobei der optionale Spread (OAS) des Bloomberg Euro Aggregate Corporate Index (EUR) im Januar 2026 neue enge Niveaus erreichte. Auf eine 5-Jahres-Rückschau betrachtet, liegt der EUR OAS nahe dem nullten Perzentil, was darauf hindeutet, dass die Spreads historisch eng sind. Andererseits sind die Renditen seit dem vierten Quartal 2024 im Bereich geblieben und liegen auf der gleichen Rückschau im vierzigsten Perzentil. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass das relative Wertverhältnis im Vergleich zu Barmitteln weiterhin attraktiv geblieben ist, insbesondere wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen stabil hält. Investoren sollten die Entscheidungen der Zentralbanken im Auge behalten, da diese unserer Ansicht nach das Verhältnis von Risiko und Ertrag verschieben könnten.